Archiv: 2010

XHTML ist tot, und nun?

21. Januar 2010

XHTML ist tot, und nun?
Das W3C beendet die Entwicklung von XHTML 2 und konzentriert sich künftig auf HTML5. Auch wenn die Arbeiten am neuen HTML Standard erst 2022 abgeschlossen sein sollen, es ist an der Zeit, einen Gang umzuschalten und sich mit dem auseinander zu setzen, was sich unter dem Schlagwort HTML5 eigentlich verbirgt. HTML5 ist keine Zukunftsvision, es ist in vielen Einzelteilen längst Realität. Es geht nicht nur um eine neue Form von Auszeichnungsstandard, das Schlagwort HTML5 steht ebenso für Neuerungen in CSS, JavaScript und vielem mehr.

Kritisch betrachtet, könnte man den meisten Diskussionen und Veröffentlichungen rund um “HTML5″ mangelnde Trennschärfe vorhalten – oder anders gesagt, beim “buzzword” HTML5 geht es gar nicht um irgendeinen Standard, es geht schlicht um einen Technologiemix, mit dem die Lücke geschlossen werden soll, die bisherige Webtechnologien offen ließ. Applikationen heißt das Zauberwort, oder besser “WebApps”. Spätestens seit dem noch größeren “buzzword” Web 2.0 ist klar wohin die Richtung geht. Statische Seiten, Präsentation von Inhalten als seien Sie einem Printkatalog entsprungen verlieren an Bedeutung. Mitmachen, Interaktion, Anwendungen, Stichworte wie Cloud-Computing, diese Form von Web braucht neue bzw. verbesserte Technologien. Der Begriff HTML5 wird zum Sammelbecken verschiedenster Bausteine die diesen Anforderungen gerecht werden sollen.
HTML5 ist keine Neuerfindung, keine Revolution, es beschreibt einen fortlaufenden Veränderungsprozess, an dem viele beteiligt sind. Es gibt die HTML5-Spezifikation vom W3C, die Spezifikation der WHATWG, und jede Menge mehr. Peter Kröner hat dazu eine sehr anschauliche Grafik erstellt.
Eine ebenfalls recht beeindruckende Präsentation zum Einstieg in das Themenfeld kommt von Marcin Wichary und Ernest Delgado. Wer tiefer in die Materie HTML5 eintauchen will, sollte einen Blick in den Abschnitt “is this html5?” der WHATWG Spezifikation (besser gesagt des Entwurfs) werfen, da heißt es unter anderem:

Features that are not currently in this document that were in the past considered part of HTML5, or that were never part of HTML5 but have been referred to as part of HTML5 in the media, include: Web Workers, Web Storage, WebSocket API, WebSocket protocol, Server-sent Events, Web SQL Database, Content-Type Processing Model, The Web Origin Concept, Geolocation API, SVG, MathML, XMLHttpRequest, Parts of CSS

Mit dem Sprachstandard HTML5 kommt deutlich mehr, als die Einführung von “ein paar neuen HTML-Elementen”. Die ganze Code-Struktur gewinnt zunehmend an “Bedeutung”. HTML5 ist “semantischer” als es XHTML je war: Tags wie header, footer, section oder Attribute wie role und manifest sprechen da für sich.
Die “HTML5 fähige” Generation an Browsern unterstützt CSS Eigenschaften, die so manche Pixel-Grafik überflüssig machen werden, bspw. rgba (alphatransparente Farbangaben) oder gradient (Verläufe). CSS-Transitions (bspw. Rotation) und Animationen kompletieren diesen Trend, und werden etliche JavaScript basierte Effekte auf Dauer ablösen.
Mit den neuen JavaScript APIs wird der bisherige Funktionsumfang von JavaScript deutlich erweitert, das geht von der clientseitigen Verbindung zu einer Datenbank (window.openDatabase) bis zum Datei-Upload über Drag&Drop.
Es gibt also keinen wirklichen Grund dem XHTML Standard nach zu trauern.

Ich will nicht mehr – sondern wissen wie es weitergeht

14. Januar 2010

Wie geht es weiterDas Szenario ist gerade bei Blogs oder Newseiten häufig der Fall: Auf einer Übersichtsseite wird der Inhalt nur kurz angerissen – die eigentliche Nachricht ist erst in der Detailansicht zu finden. In solchen Fällen wird für gewöhnlich nicht nur die Überschrift verlinkt. Auch am Ende des jeweiligen Abschnitts findet sich zumeist weiter bzw. mehr Verweis. Das macht durchaus seinen Sinn, aber wenn man einen solchen Verweis schon einbindet, dann auch richtig.

Textbausteine wie “mehr“, “weiterlesen“, “weiter” sind als Verweistext nicht gerade informativ und aussagekräftig. Nutzt der Besucher bspw. einen Screenreader, oder werden die Verweise durch ein Programm extrahiert und seperat gesammelt (z.B. Lynx) – so hilft einem diese Information nicht mehr weiter. Im Gegenteil, sie wird eher störend, denn der Nutzer kann diesen Verweis überhaupt nicht zuordnen. Eine Lösung für dieses Problem wäre eigentlich ganz einfach:

<a href="/link/zur/nachricht" class="more">
  Mehr <span>zum Thema: ich will mehr...</span>
</a>

Der “mehr“-Verweis wird so modifiziert, dass er ein klar verständliche Anweisung enthält. Bestehend aus der Artikelüberschrift + dem “mehr zum Thema“, also bspw. “Mehr zum Thema: ich will nicht mehr, sondern…“. Da diese Wiederholung des Titels am Bildschirm relativ wenig Sinn macht, und für den zumeist begrenzt verfügbaren Raum auch viel zu lang wäre, wird diese Wiederholung via CSS einfach wieder ausgeblendet. Deshalb die Schachtelung über den SPAN tag innerhalb des Verweises. Da einige Screenreader Probleme mit dem CSS Attribut display haben, ist es besser, das Verstecken über die Positionierung vorzunehmen:

a.more {
 overflow:hidden;
 position:relative;
}
 
a.more span {
  position:absolute;
  top:-100px;
}

Die ganze Aktion dauert im Normalfall vielleicht ein paar Minuten, und man gewinnt dabei nicht nur in Sachen Barrierefreiheit – auch Suchmaschinen bewerten solche Verweise besser, als ein einfaches “mehr“. Daher ist es erstaunlich, dass diese Technik in vielen Fällen noch immer nicht eingesetzt wird. In diesem Sinne, macht mehr aus euren “mehr” Verweisen.

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